Kino für die Ohren

Normalerweise schreibe ich die Rückblicke für meine Lesungen selbst, aber Sascha Exner hat so einen tollen Artikel verfasst, dass ich ihn besser gar nicht schreiben kann. Ein besonderes Erlebnis auch für mich als Autorin.

Die Fotos stammen von Matilda Exner. Vielen Dank dafür.

Kriminell ging es am Freitagabend in der St. Nikolai Kirche in Altenau zu – zumindest literarisch. Bereits zum vierten Mal waren Autoren zu Gast und sorgten mit Harzkrimis, Humor, Musik und einem Live-Hörspiel für einen abwechslungsreichen Abend vor gut 100 Besuchern.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Heike Gröters, die mit ihren Helfern wieder für den passenden Rahmen gesorgt hatte – von der gemütlichen Lesebühne mit Ohrensessel bis zu Getränken und kleinen Häppchen. Durch das Programm führte Harzkrimi-Autor Helmut Exner.

Den Anfang machte Silke Mahrt mit ihrem vierten Roman „Harzer Wolf“. Darin ist der Altenauer „Dorfpolizist“ Tom Steiger inzwischen Chef der Polizeistation. Während er mit Wilderei und zwei Leichen auf Torfhaus beschäftigt ist, ermittelt seine ehemalige Vorgesetzte Carla Altman von der Kripo Goslar gegen die organisierte Kriminalität – und beide Fälle hängen zusammen.

 

Zum ersten Mal in St. Nikolai dabei war Barbara Merten aus Duderstadt. Einst Kinderbuchautorin, geriet sie irgendwann auf die „schiefe Bahn“ und stellte ihren fünften Krimi „Mordsmäßig gesungen“ vor. Kommissar Schneider ermittelt im Mordfall einer Cellistin unter zahlreichen musikalischen Verdächtigen, während auch  sein Privatleben aus dem Takt gerät.

Anschließend gehörte die Bühne Helmut Exner und seinem Sohn Sascha. Gemeinsam präsentierten sie eine Szene aus „Walpurgismord“, dem ersten Fall von Lilly Höschen, der „Miss Marple des Harzes“. In einer turbulenten Gerichtsszene will Lilly das Gericht „vor einem Fehlurteil“ bewahren und weist Richter, Angeklagten und Staatsanwalt zurecht. Der szenische Schlagabtausch zwischen Vater und Sohn sorgte für herzhaftes Lachen.

Nach der Pause wurde aus der Lesung „Kino für die Ohren“. Autor und Hörspielproduzent Martin Bolik und sein Sohn Erik präsentierten „Der Junge, der die Zeit besiegte“ als Live-Hörspiel. Stimmen, Geräusche, Gesang und Musik ließen die Geschichte um Krieg, Flucht und Erinnerung im Kirchenraum lebendig werden. Unterstützt wurden sie von Louis Bolik und Organist Rainald Runge. Auch der Trommeleinsatz eines Spielmannszuges gehörte zur Inszenierung.

Die besondere Atmosphäre begeisterte auch Zuhörer, die bislang wenig Berührung mit Hörspielen hatten. Heike Gröters erzählte anschließend, sie habe die Augen geschlossen und sich „treiben lassen“. „Es ist schön, die Kirche wieder einmal so voll zu sehen. Und auch die Orgel zu hören, die Rainald Runge so wunderbar erklingen ließ“, freute sie sich.

Nach vier Veranstaltungen in St. Nikolai scheint sich die Lesung zu einer kleinen Altenauer Tradition zu entwickeln. Und der Abend zeigte: Für großes Kino braucht es nicht unbedingt eine Leinwand. Manchmal genügen gute Geschichten, Stimmen, Musik und die Fantasie der Zuhörer.

 

Sascha Exner

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