In stillem Gedenken

Heute vor 79 Jahren, am 8. April 1945 begannen die Nationalsozialisten mit der Räumung des Konzentrationslagers Nordhausen im Harz. Aus dem KZ Mittelbau-Dora und seinen vielen Außenlagern zwischen Osterode und Sangerhausen wurden über 40.000 Häftlinge mit der Bahn und, wo dies wegen Kriegseinwirkungen nicht mehr ging, zu Fuß nach Westen und Norden in Marsch gesetzt. Vier Wochen später, bei Kriegsende, waren über ein Viertel davon tot: verhungert, verdurstet, erstickt, erschlagen, erschossen, bei lebendigem Leibe verbrannt.

Meine Lieblingsfigur aus „Harzer Sühne“ Rudi Meyer erinnert sich daran:

„Ich habe diese armen Menschen gesehen. Diese Bilder habe ich mein ganzes Leben nicht vergessen. Auf unserem Heimweg waren sie da. Ich weiß gar nicht, wo sie plötzlich hergekommen sind. Menschen wie Gerippe, Soldaten mit Hunden und Peitschen.“

Und dann schildert er, wie seine Mutter helfen wollte, aber daran gehindert wurde.

Ich lese die Stelle oft bei meinen Lesungen und immer ist es still. Wir dürfen diese Zeit nicht vergessen, denn: Nie wieder ist jetzt.

Für Rudi Meyer gibt es im Übrigen ein reales Vorbild, meinen Großonkel Rudi Meier, der zwar nicht die Todesmärsche erlebt hat, aber als junger Mann Stalingrad und anschließend zu den letzten gehörte, der aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. Er hat darüber gesprochen, über beides, die Kriegsgräuel und die Gefangenschaft, etwas, was damals selten war. Und er hat mich eines gelehrt: Die Geschichte darf sich nicht wiederholen und wir dürfen nie wieder den Rattenfängern hinterherlaufen und ihre Drohungen und ihre verquere Weltsicht als einfaches Gerede abtun.

Weitere Infos zu den Todesmärschen findet ihr auch auf meiner Homepage:

https://silkemahrtautorin.4lima.de/2023/09/bonus-material-fotos

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